Immobilienfinanzierung Dänemark

Die Finanzierung einer Immobilie ist in Dänemark so billig, wie in keinem anderen EU-Land. Bereits zwei Jahre vor der Europäischen Zentralbank führten die Skandinavier im Jahr 2012 Negativzinsen ein und machten den Hauskauf auf diese Weise für die meisten Käuferschichten erschwinglich. Doch das vermeintliche Schlaraffenland für Immobilienkäufer vermittelt nur auf den ersten Blick paradiesische Zustände. Welche Tücken die Immobilienfinanzierung in Dänemark hat, erfahren Sie im nachfolgenden Beitrag.

Besonderheiten der Immobilienfinanzierung in Dänemark

Die Immobilienfinanzierung in Dänemark weist im Vergleich mit Deutschland einige gravierende Abweichungen auf. Während es hierzulande üblich ist, einen Baukredit bei gleichbleibenden Raten mit langjähriger Zinsbindung abzuschließen, ist bei den skandinavischen Nachbarn das exakte Gegenteil an der Tagesordnung. Der Zinssatz wird, wenn überhaupt, nur sehr kurzfristig festgeschrieben und bleibt während der gesamten Laufzeit variabel. Getilgt wird üblicherweise überhaupt nicht und das ist von den Geldgebern in der Regel auch nicht erwünscht. Die gesamte Finanzierung basiert auf der Annahme, dass der Wert einer Immobilie durch das Wachstum der Immobilienpreise landesweit schrittweise ansteigt.

Niedrige Zinsen bergen Gefahrenpotenzial

Lange Zeit war es in Dänemark üblich, den Kauf einer Immobilie zu 100 Prozent und ohne Eigenkapital zu finanzieren. Damit stehen die Gepflogenheiten in dem skandinavischen Land in einem krassen Gegensatz zu Deutschland, wo die meisten Kreditinstitute eine Eigenkapitalquote von mindestens 10 Prozent voraussetzen. Erst seit wenigen Jahren verlangen führende Baufinanzierer wie die dänische Nykredit einen Eigenkapitalanteil von 5 Prozent. Unter Umständen konnten die Dänen mit einem Immobilienkredit sogar Geld verdienen. Bei einem negativen Zins muss der Kreditnehmer weniger Geld zurückzahlen, als aufgenommen wurde.

Doch die Niedrigzinspolitik hat auch ihre Schattenseiten. Beflügelt vom billigen Geld stürmen Immobilienkäufer aus der ganzen Welt den dänischen Markt, der seit einigen Jahren zweistellige Wachstumsraten verzeichnet. Die Wertsteigerungen für Immobilien sind in Ballungszentren wie Kopenhagen enorm und liegen teilweise seit einigen Jahren bei 15 Prozent und mehr. Aktuell liegen die Höchstpreise für Eigentumswohnungen in Dänemark über dem Höchststand von 2006, als die gewaltige Immobilienblase platzte und die Wohnungspreise bis 2009 auf eine 30-prozentige Talfahrt schickte.

Dänische Banken in der Vermittlerrolle

Anders als in Deutschland werden die meisten Immobilienkredite in Dänemark nicht von einer Bank direkt ausgegeben. Als Geldgeber treten vornehmlich private Investoren auf. Diese sind nur daran interessiert, ihr Kapital sicher angelegt zu haben und nehmen dafür sogar Negativzinsen in Kauf. Da die Laufzeit der meisten Immobilienpfandbriefe in Dänemark bei nur einem Jahr liegt, ist die Sicherheit überdurchschnittlich hoch. Dänische Banken übernehmen in diesem Kreislauf nur eine Vermittlerrolle. Bei steigenden Zinsen müssen die Geldinstitute im Ernstfall keine Kreditausfälle kompensieren. Vor dieser Gefahr warnt der größte dänische Immobilienfinanzierer Nykredit seit Jahren. Diese Praxis der Kreditvergabe hat messbare Folgen, denn längst sind die Dänen Weltmeister im Schulden machen. Jeder Einwohner ist im Durchschnitt mit 300 Prozent seines verfügbaren Einkommens verschuldet. In Deutschland liegt die Quote bei unter 100 Prozent. Sollte die Immobilienblase in Dänemark eines Tages mit einem steigenden Zinssatz platzen, könnten zahlreiche Privathaushalte in eine ernsthafte wirtschaftliche Schieflage geraten.

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